Das Einsegnen der Massengräber
Dieses Transkript stammt aus dem Tonarchiv des Johannes-Künzig-Instituts in Freiburg im Breisgau und wurde von einem ehemaligen Totengräber aus Rudolfsgnad erzählt: Im Lager sind sehr viele gestorben, da war kein Priester dabei. Die Toten sind alle ohne Priester auf den Friedhof gebracht worden. Die Angehörigen haben die Gräber gemacht. Die Rudolfsgnader sind zum großteil in Einzelgräber gekommen, nur die von Außwärts sind zuerst noch in Einzelne, dann in zwei, drei und dann in große Massengräber gekommen. Wie wir endlich vom Lager befreit waren, es war schon fast ein Jahr später habe ich mit dem Titeler Pfaffer gesprochen, um die Gräber einzusegnen und die viele welche starben. Ich hab alles zusammengeschrieben, wer und wieviele Gräber einzusegnen sind. Und an einem Sonntag Nachmittag holten wir den Pfarrer von Titel der dann an diesem Sonntag den ganzen Nachmittag, mindest 3-4 Stunden die Gräber einsegnete. Ich hab mit einigen Sängern und Sängerinnen (Batschker Frauen) Totenlieder einstudiert Als erstes Grab wurde das Grab der Frau von unserem alten Schullehrer Schuldirektor Franzi Batschi (Kirchner-Direktor) eingesegnet. Er starb leider im Altersheim in Kathrina und wurde ohne Pomp und ohne Pflanz dort begraben. Seine Frau konnte ihm noch einen Mantel überwerfen, sonst wäre er dort nur so begraben worden. Unser Franzi-Batschi hat das verdient, dass wir wengistens seiner Frau diese Ehre erweisen, wenn wir ihm schon diese Ehre nicht erweisen konnten. Anschließende sangen sie das Toten-Lied: Wenn ich zum Herzen Jesu geh und klag und ihm jedes Leid und Weh dann wirds gleich leichter mir ums Herz denn es versüßt der Leiden Schmerz Wenn alles schon verloren scheint weil ihm eine Auge traurig weint. Dann wirds mit mir bald besser gehn denn Trost kommt nur aus Himmels Höhn Wenn oft mich Sorgen niederdrückt und mich kein treuer Freund beglückt wenn fast das Herz vor Leiden bricht und mir erscheint kein Hoffnungslicht Auch Menschleben schwindet blad im Unglück bleibet sie so kalt. Ja doch in meiner bitteren ???? (Horn) schlägt mir´s Herz Jesu innig warm Wenn einst mein Leid zur Ruhe geht und dann kein Freund am Grabe steht wenn ganz vergessen von der Welt ein Schaufel Erde auf mich fällt Dann ruft doch Jesu als mir zu Nun ruhe sanft in Grabesruh aus dem aus Auwald mit Freundeshand mich führt zum ewgien Vaterland. Er wurden weitere Lieder gesungen: Meine Lebensjahre sind geschlossen ./. der schwere Kampf des Todes ist vollbracht… Trauernd steht ihr hier besammen Freunde ./. und bedauert mich… Oh Tod, was hab`ich verschuldet ./. ich armes, kleines Kind.Entwurf eines Gedenkkreuzes für das Massengrab auf der Teletschka
Autor des Entwurfs im Auftrage des Gedenkstättenreferats der Landsmannschaft der Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien ist der Architekt Dipl. Ing. Helmut Frisch aus Wien, gebürtiger Donauschwabe aus dem jugoslawischen Banat.
Der Entwurf (siehe Abbildung rechts) für ein 7 m hohes Gedenkkreuz aus Beton, welches über dem Massengrab auf der Anhöhe Teletschka* errichtet werden sollte, blieb bis heute in der Schublade. *In diesem Massengrab auf der Gemarkung des 1945-1948 zum größten Todeslager für arbeitsunfähige Jugoslawiendeutsche umfunktionierten vormals rein donauschwäbischen Dorfes Rudolfsgnad (Knicanin) liegen 9000 von insgesamt 12000 an Hunger, Kälte und Seuchen gestorbenen Kindern, Greisen und Kranken.
Das jetzige Gedenkkreuz auf der Teletschka (siehe Abbildung oben) gehört laut Meinung des Architekten Herrn Frisch an den Rand des alten Rudolfgnader Friedhofs, wo die ersten 3000 Rudolfsgnader Opfer der Tito-Schergen im halbvergessenen Massengrab der ersten Stunde liegen.
Leider blieb es bis heute bei dem Entwurf des 7 m hohen Beton-Kreuzes, da ehemalige Rudolfsgnader Einwohner es verhinderten, dass dieses Kreuz an dem Massengrab auf der Teletschka aufgestellt wurde!
Wo ist das Grab…?
von Jakob Wolf
Es braucht nicht Muttertag zu sein:
ich wüßte es auch von allein,
Daß ich zum Grab der Mutter ginge,
Ihr einen Kranz ans Holzkreuz hinge, –
Doch Frag ich erst: Wo ist das Grab,
In das man sie zur Ruhe gab?
Kein Mensch, der mir zur Rate geht,
Kein Mensch, der Red und Antwort steht,
Kein Mensch will etwas davon wissen,
Wie ihr das wunde Herz zerrissen.
Und weiter ich die Frage hab:
Wo ist das Grab, wo ist das Grab?
Ob sie auf Wiedersehen geharrt?
Ob sie im Massengrab verscharrt?
Vielleicht hat man sie gar vergessen,
Daß sie von Raben aufgefressen?-
Ob sie als Tote Ruhe fand
In diesem seelenlosen Land?-
Wo immer sie auch liegen mag:
Ich hör sie rufen Tag für Tag,
Ich kann mich für mein ganzes Leben
Wohl nimmermehr zufrieden geben,
Es welkt der Strauß in meiner Hand,
Weil ich der Mutter Grab nicht fand.
Gedenkstätte
Im Jahr 2000 gelingt es den Sekretär der Ortsverwaltung von Knicanin, Sruboljub Stoikovic für die Idee einer Gedächtnisstätte zu gewinnen. Er beantragt und erhält die Baugenehmigung zur Restaurierung der Friedhofskapelle. Im Juli 2001 wird der Vertag zum Wiederaufbau der Kapelle abgeschlossen. Die Fertigstellung erfolgt im Oktober 2001 und die Einweihung erfolgt unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Erwin Teufel
2001 erfolgt die offizielle Zuteilung von einem Hektar Land für die Gedenkstätte Teletschka (als Friedhof eingetragen, zur Nutznießung erhalten). In der Zwischenzeit ist auch ein Gedenkkreuz auf der Teletschka entstanden. An das Gedenkkreuz angrenzend wurden Stelen aufgestellt, auf denen Ortsgemeinschaften ihre Todeszahlen eingravieren lassen können.