Der pfiffige Bauer
Der Vettr Bernat machte mit dem Zigeunerjakob einen Pferdetausch. Nach einigen Tagen forderte der Zigeuner wiederholt eine nicht vereinbarte Aufzahlung von 500 Dinar, weshalb Vettr Bernat den betrügerischen Gesellen mit einem kräftigen Fußtritt verabschiedete. Kurz darnach bekam Vettr Bernat von einem Rechtsanwalt einen Mahnbrief mit folgendem Inhalt:
Herrn
Bernhard N..
Lazarfeld
Im Auftrag meines Schützlings Jakob Datku fordere ich Sie auf, in einer Wartezeit von drei Tagen in meiner Kanzlei 500 Din. zu erlegen, welchen Betrag Sie Genanntem als Kaufpreis für ein Pferd schulden, wobei ich noch bemerken will, daß Sie für diesen Brief 50 Din. Schreibgebühr zu bezahlen haben. Somit beträgt Ihre Gesamtschuld 550 Dinar. Falls Sie diesen Betrag binnen angegebener Frist nicht bezahlen, wäre ich gezwungen. Sie gerichtlich zu belangen. Vetter Bernat beantwortet dieses Schreiben wie folgt:
Großbetschkerek Dr N. N. Advokat.
Geehrter Herr Advokat!
Der Zigeuner hat sie belogen, was zwei ehrliche Zungen beweisen können. Sie schreiben: Ihr Brief kostet 50 Din. Mein Brief jedoch kostet 100 Din. Folglich schulden Sie mir 50 Din. Mögen Sie mir diesen Betrag mit der Post zusenden, dessen Empfang ich Ihnen bereitwillig quittieren werde.
Lazarfeld …….. Achtungsvoll Bernhard N..
Mir han er. klene Heinrich kriet
Im Jahre 1912 überflutete eine ungewöhnlich große Hamsterschar unsere Kornfelder. Es schien, als hätte sich die ganze Hamstersippschaft auf die Wanderschaft begeben, um in unseren Fluren ein neues Heim zu beziehen. Diese Schädlinge vermehrten sich so sehr, daß unsere Saaten von einer teilweisen Vernichtung bedroht waren. Das Übel wurde Tag um Tag schlimmer, da sich die Schädlinge auch schon in Haus und Hof eingenistet hatten. Um nun ihrem Vernichtungswerk Einhalt zu bieten, wurde gegen sie eine gut organisierte Bekämpfungsaktion eingeleitet. Das ganze Dorf mobilisiert: Männer, Weiber, Kinder, Hunde, Katzen: sogar unsere Schweine wühlten nach dem Feind und schmausten von dem Fleische ihrer Beute. Diese Plage erreichte zur Zeit der Maisernte, bei Schulbeginn den Höhepunkt. Auf Schritt und Tritt konnte man das Geschrei der gequälten Tiere hören. Die Kinder hatten in der Schule bezüglich dieser Jagd fabelhafte Resultate zu berichten, wie: „Herr Lehrer, ich habe gestern fünf Kritschen (schwäbisch Hamster) erschlagen.“ Unser Hund hat sechs Kritschen zerfleischt.“ Unser Pferd zerstampfte einen Hamster.“ Ein anderer wieder sei sogar im Traum in ein Hamsterloch gefallen. Den schönsten Bericht erstattete der kleine Hansi, damals Schüler der ersten Klasse unserer Volksschule. Kaum betrat der Lehrer die Schule, da meldete er sich: „Was hast du zu sagen?“ fragte der Lehrer. Das Gesicht des Kleinen strahlte vor Glück, als er die Freudenbotschaft verkünden konnte: „Herr Lehrer, mir han heut Nacht en klene Henrich kriet, der hat so g’schrie, daß ich g’ment han, unser Nonius (Pferd) steht uf en’r Kritsch.“
Spruch beim Brauchen
Deim Maria sei goldeni Hand, geht rund’rum im ganze Land.
Kann lese un schreiwe, un kann alles Unheil vertreiwe.
Die Spinnstube
Zuhause sagten die Frauen: „Maria Lichtmeß, Spinnen vergeßt, beim Tag zu nacht geß. Wenn man das Wort Spinnen vergeßt hört, so hat dies wohl seine Bedeutung. Bei uns in Lazarfeld wurde der Hanf nur zum eigenen Gebrauch gepflanzt, denn er war so notwendig wie das tägliche Brot im Haus. Die vielen Stricke für die Pferde, Kühe und Kälber, sowie die Leinwand, Säcke, Plachen wurden aus ihm gewonnen. All diese Arbeit ist durch die Hausfrau Hände gegangen und so entstand die Spinnstube. Tagsüber mußten die Frauen die Hauswirtschaft führen, so daß sie die Winterabende zum Spinnen verwendeten. Alleine war es ihnen meist zu eintönig, weil sie leicht dabei einschliefen. Darum haben sich etwa 15 – 20 Frauen zusammengetan und von 6 – 9 Uhr abends ihre Spinnarbeit verrichtet. Natürlich hat jede Gastgeberin für diesen Abend etwas vorbereitet, wie Kuchen, Kalleten, Kukuruz gepatscht oder gekocht. Einmal hat die Besel Bewi den Kukuruz mit den Kolben gekocht und sagte dazu, es sei noch grüner Kukuruz vom Herbst. Diese Zusammenkunft der Bäuerinnen an den Winterabenden war eine schöne gemeinschaftliche Unterhaltung und zugleich die Tageszeitung des Dorfes. Es sind mal alle Neuigkeiten erzählt worden, den einen gelobt, den anderen beschimpft, wie es eben so ist, wenn mehrere Frauen sich treffen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch so manche Hochzeiten zusammengestellt. Einmal die Besel Mariann zur Besel Leni und fragte sie nach ihrem Mann, nach dem Vetter Franz. Die Besel Leni gab darauf zur Antwort: „Was fragst du noch, natürlich in der Agraria, denn wenn so eine herrische Schlutt (Hose) kommt, da kann er doch nicht Zuhause bleiben. Jetzt wollen die in der Agraria auch noch eine Eiergenossenschaft gründen, da gehen wir Frauen auch hin und sagen unsere Meinung.“ Zur rechten Gelegenheit ging die Besel Leni auch wirklich in die Agraria, meldete sich zu Wort und sagte: „Meine Herren! Unsere Männer habt ihr mit den Hengsten, mit den Stieren und den Sauen drangekriegt, aber bei den Eiern habt ihr das Glück nicht, für die sind wir Frauen zuständig. Wir setzen die Hühner an, ziehen die Küken groß, nehmen die Eier aus und dazu brauchen wir keine herrische Schlutt.“ Diese wahre Begebenheit bildete in Lazarfeld längere Zeit den Gesprächsstoff in der Spinnstube.
Eine lustige Begebenheit bei der Betrachtung der Kirchengemälde
Im Jahre 1938 wurde in unserer Gemeinde die Kirche bemalt. Als das erste Gemälde fertig war, kamen die Gläubigen um das Bild zu sehen, welches unter anderem auch das erste Menschenpaar darstellen sollte. Die Bäsl Froni war von der Schönheit des Werkes ganz entzückt und sprach: „Vater Adam gleicht sich so gut.“ Auf die Frage des Malers, ob sie ihn denn gekannt hätte, erwiderte sie entrüstet: „Gehscht’naus, wie kann mr dann so was froe (fragen)“