Die Ratscher

Wackere Dorfjungen betätigen sich zur Zeit ihrer Schuljahre an der Aktion der lustigen Ratscherbuben, weil ohne Ratsch und ohne Nest gibt’s kein frohes Osterfest. Mit unseren schönen Häusern, fruchtbaren Feldern und mit allem was uns lieb und teuer war, ging auch dieser schöne Osterbrauch verloren. Wir wollen ihn deshalb in Schrift festhalten.

 

Nachdem am Gründonnerstag die Glocken verstummten – „sie sind nach Rom geflogen“ – wurde die Zeit des Gottesdienstes bis zum Hochamt des Karsamstag durch Ausrufen bekannt gemacht. Diesen Kurierdienst versahen die Ratscher: Mit einer Ratsche, ein aus Holz gebasteltes Lärmwerkzeug und einem Stock gegen

bissige Hunde bewaffnet, gingen sie los. Zunächst versammelten sie sich im Kirchhof, wo der Mesner die Gassen auf sie aufteilte, den Mittagsspruch lehrte und ihnen wichtige Anweisungen erteilte. Schnell sollten sie sein und nach jedem Rundgang pünktlich zu ihm in die Schule kommen, damit sie für jede kirchliche Zeremonie den entsprechenden Spruch erlernen und ihn schön verkünden.

 

Anschließend wählte sich jeder Ratscher aus den Reihen jüngerer Jahrgänge einen Gehilfen, der in untergeordneter Eigenschaft hauptsächlich darauf zu achten hatte, damit sie nicht etwa von einem schlimmen Hund am Hosenbein gepackt werden. Kurz vor der Mittagsstunde sprachen sie im Chor vor der Kirche den Mittagsspruch, worauf sie dann auf ein Zeichen des Mesners auseinander sprangen und im Nu auch schon im ersten Haus rezitierten:

 

„Leut, Leut, laßt euch sagen: das Glöcklein hat zwölf Uhr geschlagen. Fällt nieder auf euere Knie und betet das Ave Maria.“

 

Darauf drillten sie einige male die Ratschen und eilten in das nächste Haus, um dort dasselbe zu tun. So stürmten sie von Haus zu Haus, dorfauf dorfab, durch alle Längs – und Kreuzgassen. Nachmittag sind sie unter Anleitung des Mesner „Jud gelaufen“. Dieser wurde der, welcher als Letzterer an das Ziel kam. Er war der gehaßte Judas, kurz Jud, der zur Strafe, weil‘ er unseren Heiland um dreißig Silberlinge verraten hatte, keine Ruhe mehr finden sollte. Man hat ihn deshalb beschimpft und verspottet. Die Ratscher befestigten ihm unter lauter Gejohle gemischfarbige Bänder an den Hut, umsprangen ihn, riefen und ratschten im Takt dazu:

 

„Jud, Jud, Jud, Jud, Jud, Jud“

 

Das Judassein war für die Ratscherbuben eine peinliche Sache. Niemand wollte der Verräter sein, obwohl es Sitte war, dass man ihn aus dem gemeinsamen Geldbeutel mit einem größeren Betrag beschenkte. Der nächste Spruch rief die Gläubigen zur Kirche.

 

„Wir ratschen zum ersten und zum letzten Mal in die Lamentation.“

 

Spruch zum Abendgebet:

 

„Leut Leut, es ist Betungszeit! Ihr liebe Christen. seid alle bereit! Fällt hin auf die Knie, und betet das Ave Marie“.

 

Morgens:

 

Leut, Leut, wir ratschten den englischen Gruß, damit jeder Christ weiß, das er beten muß“.

 

Am Karfreitag zum Gottesdienst:

 

„Wir ratschen zum erstenmal“. – eine Halbestunde später: „Zum zweiten und letztenmal.“

 

Viel Spaß bereitet den Ratscher das „Karfreitagsmitschl“, Karfreitagslaibchen, das in jedem Haus gebacken und den Ratscher gegeben wurde, damit sie als symbolische Wanderer keinen Hunger leiden. Nachmittags ratschten sie sich „gepatschten Kukuruz“, – Maisflocken.

 

In den Morgenstunden des Karsamstags trafen die Buben sich bei der Feuerweihe, wo sie den Judas verbrannten. Man jagte ihn über das Feuer und warf die Bänder hinein. Nachdem im Laufe des anschließenden Gottesdienstes die Glocken zurück- geflogen kamen, „sie ware beichte“, gingen sie mit großen Handkörben sammeln. Bei diesem Rundgang sprachen sie folgenden Spruch:

 

Leut, Leut, wir kommen um die österliche Zeit. Gibt uns Eier, gibt uns Geld, alles, was uns nur gefällt, nur khe Schleeh, die tut weh! Glück ins Haus, Unglück raus. Und paar Dinar für den grünen Jud!

 

Man gab den Ratscher etwas Kleingeld und einige Eier. Das war der Lohn für ihre Mühe.