Im Hof
Das Begräbnis der Erwachsenen fand in den Wintermonaten gewöhnlich nachmittags um 2 Uhr statt, zur warmen Jahreszeit l – 2 Stunden später. Zur festgesetzten Stunde ertönte die große Glocke, der Priester begab sich mit dem Kantorlehrer und dem Meßdiener auf den Weg zum Sterbehaus. Hinter ihnen schritt der Gesangverein. Unterdessen wurde der Sarg verschlossen und im Hof aufgebahrt.
Nach dem der Priester die Kirchenkleider angelegt hatte, besprengte er mit Weihwasser den Sarg und stimmte in lateinischer Sprache einen Trauerpsalm an: „Oremus profidelibus defunctis“………, welcher vom Gesangverein fortgesetzt und in vierstimmiger Besetzung abgesungen wurde. Anschließend sprach der Priester: „Pater Noster“ und während er den Sarg mit Weihrauch beräucherte, betete der Kantorlehrer mit den Gläubigen das Vaterunser. Nach einigen Wechselgebeten sang der Gesangverein ein Trauerlied, auch Abschiedslied oder Totenlied genannt.
Totenvesper.
Meistens ließen die Angehörigen den Leichnam in die Kirche tragen, wo für das Seelenheil des Entschlafenen eine Totenvesper gelesen wurde. Der Priester intonierte an den Stufen des Altars: „Placebo Domino“ worauf der Chor in einen Psalm einstimmte. Zur gleichen Zeit setzte der Priester sich unter den Baldachin (Himmel) betete leise fünf Psalmen, deren Text der Chor feierlicherweise sang. Jeder Psalm endete mit den Worten: „Herr gib dem Entschlafenen die ewige Ruhe und dein ewiges Licht leuchte ihm.“ Abschließend wurde bei der Totenbahre das feierliche Libera gesungen:
Bewahre mich mein Herr und mein Gott – Bewahre mich vor dem ewigen Tod.
Wenn jener große Tag erscheint – Der alle Angst in sich vereint.
Barmherziger Gott! ach schenke du – den Abgestorbenen die ewige Ruh.
Lass leuchten ihnen jenes Licht – Das ewig glänzt, dein Angesicht.
Im Friedhof.
Auf dem Weg zum Friedhof, wie auch schon vom Haus zur Kirche, betete eine Vorbeterin abwechselnd mit den Frauen Fürbittgebete, und der Chor sang einige Strophen aus dem „Miserere mei Deu“ vom Eingang des Friedhofs bis zum Grabe das „In paradisium“. Danach wurde der Sarg in das Grab gesenkt. Die Grablegung begann mit dem Gebet des Herrn und wurde nach dem Einweihen des Grabes mit einem Totenlied abgeschlossen.
Der Priester warf drei Schaufeln Erde in das Grab und verließ die Ruhestätte. Dann traten die Verwandten des Verstorbenen an das Grab, besprengten es mit Weihwasser und warfen Erde hinein. Sie entfernten sich erst dann, als der Totengräber seine traurige Arbeit beendet hatte. Bei den Begräbnissen junger Leute spielte die Musik Trauermärsche.