Der 1.Januar war bei uns ein Tag guter Wünsche. Die Leute begrüßten sich mit einem Neujahrswunsch, z.B. so: Viel Glück im neuen Jahr!

 

Unsere ersten und fleißigsten Wünscher waren die Etschkaer Walachzigeuner, die schon in grauer Morgendämmerung aus einer Entfernung von über 12 km zu Fuß bei Wind und Schnee zu uns gekommen waren, lärmend von Haus zu Haus zogen und mit ihrem Klopfen und Poltern an Fenstern und Türen das ganze Dorf aufstöberten. An keinem Tage des Jahres bellten und heulten unsere Hunde so kläglich wie an jenem Morgen. Unser Schuldirektor Josef Unterreiner erzählte folgende Begebenheit:

„Auch mich weckte einer dieser Verehrer aus dem Schlafe. Er wünschte mir „d Stall voll Roß un finf Mettr Klisse (Speck). Ich erwiderte seinen Wunsch mit einem ähnlichen und gab ihm ein Neujahrsgeld und einige Zigaretten. An seinem Antlitz würde ich ihn noch heute erkennen. Es war derselbe Zigeuner, der mir im Januar 1945 im Etschkaer Lager beim Schneeschaufeln vier kräftige Knutenhiebe auf die Schädeldecke versetzte. Ich war damals ein wehrloser Häftling, er aber ein bewaffneter Partisan und mein Hüter. Er verprügelte ja nur einen Schwaben. Das war gewiß nicht der einzige Fall seiner brutalen Handlungen“

 

Nach dem das besoffene Zigeunervolk mit vollgebettelten Rucksäcken abgezogen war, klärte sich der Horizont und überall begegnete man guten Bekannten und Freunden. Man wünschte sich gegenseitig viel Glück. Festlich gekleidet und mit strahlenden Blicken eilten unsere Kleinen zu Pat‘ und Godl um ihnen als Neujahrswunsch den kleinen Vers zu rezitieren, welchen die Mutter sie gelehrt hatte. Pat‘ und Godl fühlten sich geehrt und gaben den kleinen Wünschern die heißbegehrten Wünschpfennige. Aber auch bei den Großeltern wollten sie ihr Wünschlein sagen. Gewöhnlich gaben Großvater und Großmutter noch mehr als Pat und Godl.

 

Kam man in ein Haus, so zauberte die tüchtige schwäbische Hausfrau ein Tischlein – Deck – dich in die Stube, an dessen Leckerbissen auch der kritische Feinschmecker nichts auszusetzen hatte. Auch Schnaps und Wein waren dabei und man trank gern in guter Gesellschaft mal einen Tropfen mehr. Wenn noch ein guter Harmonikaspieler und singlustige Kameraden dazu kamen, endete das gemütliche Beisammensein mit dem letzten Glas.

 

Nachmittag und am Abend fanden Tanzunterhaltungen statt. Dies war zugleich seit Adventanfang die erste Tanzmusik, da ab Kathrein bis Neujahr der Tanz verboten war. Unser Volk prägte daraus den Spruch: „Kathrein sperrt die Geigen ein.“

 

Einige Neujahrswünsche für Erwachsene und Kinder:

  1. Ich wünsch Euch viel Klick im neije Johr lang zu lewe, klicklich sterwe un d Himmel erwe.
  2. Ich wünsch Euch ein glückseliges neues Jahr, langes Leben, Gesundheit, Friede und Einigkeit und nach dem Tod‘ die ewige Glückseligkeit.
  3. Der liebe Gott bewahre Euch vor jeder Not, bewahre Euch von jeder Gefahr und Sorgen im neuen Jahr. Gott Schenke Euch alle Zeit Gesundheit und Zufriedenheit.
  4. Ich bin heute Nacht im Schlaf erwacht, der Engel hat mir die Botschaft gebracht. Ich dachte hin, ich dachte her, ich weiß nicht was das für eine Botschaft wär, doch endlich fällt’s mir ein, daß heute Neujahr soll sein. Drum wünsch ich Euch viel Glück und Segen und ein langes Leben.
  5. Als Jesus Christus acht Tage alt war, ließ er sich beschneiden. Sein rotes Farbenblut kommt allen Sündern gut. Viel Glück und Segen und ein langes Leben.
  6. Ich wünsch Euch viel Klick im neije Johr un dr Braut viel goldeni Hoor; ich winsch Eich d Bode voll Kerner un d Stall voll Herner; ich winsch Eich a Sackvoll Geld, was immr anhält; ich winsch Eich a goldene Tisch, uff en jede Ecke a gbakene Fisch, in die Mitte a Glasl Wein, da soll dr Herr un Frau luschtich sein. Vivat!
  7. Ein kleines Wünschlein bring ich dar: Gott segne Euch im neuen Jahr; Glück, Gesundheit, langes Leben soll der liebe Gott Euch geben.
  8. So klein ich bin, so wünsch ich doch, was gute Kinder pflegen; ich wünsche Euch zum neuen Jahr Gesundheit, Glück und Segen.
  9. Ich wünsch, ich wünsch, ich weeß net was, greift in d’ Sack un gib t mr was.
  10. Ich bin en klene Könich, gibt mr net zu wenich, laßt mich net so lange stehn, daß ich um a Häusl weidergeh.