Die Gäste, ungefähr 200 Personen, versammelten sich in den Nachmittagsstunden im Elternhaus des Bräutigams. Das eigentliche Hochzeitsfest wurde im großen Wirtshaus gefeiert, wo geschickte Weiber schon mit der Zubereitung des Nachtmahls beschäftigt waren.
Die Uhr schlug schon die angekündigte Stunde zur Trauung, als man kundgab, die Gäste müssten sich ein wenig gedulden, da der Brautvater noch nicht zur Stelle war, dessen Eintreffen aus dem Dorfe Itebe erwartet wurde. „Wie, die Braut is aus Itebe?“ fragte erstaunt eine alte Tante, die aus dem dritten Dorfe gekommen war. „Dr Lorenz hat mir doch g´schrieb, dass sei Jergl aus Kathrine ens heirat.“ „Jo, so wars gplant; des Kathrin wär jo a’ a sauwres Mensch, awr wies bei uns Leit geht: mehr is mehr“, erwiderte eine in die Vorgeschichte gut eingeweihte Frau. „Was kriet dann die Braut?“ „So wie ich weeß, kriet’s vorläuflich 60 Joch Feld, kumpletti Stafier un noh dem Alde sei Tod, weil die Mottr is gstorb, wäre noch 25 Joch un a Haus mit ihrer Schwester Marjann zu teele, weil’s Nanatschi, die Tochter vum erschte Weib, is schun ausgzahlt.“ „Do macht dr Jergl a ganz guti Partie.“ „Des schun, awr dr Jergl kriet jo aa net schlecht.“ „Was gibt ihm dann dr Lorenz?“ „Des kann ich Euch ganz hoorgenau saan, weil ich a beim Verspreche war.“ Wißtr. Bäsl, ich möcht doch alles wisse, daß ich drhem in Sartschi aa was erzähle kann.“ „Jo, jo, es is schun wohr; drum will ich Euch jo aa alles pünktlich saan,“ „also, dr Jergl kriet’s großi Haus, 65 Joch Feld, a Anbaumaschin, a Mähmaschin, Pluch, un alles was mit em Wort gsaat zu enr kumbletti Bauwirtschaft ghert. Ja, un daß ich net vrgess! acht Roß, zehn Stück Rindviech un, …… na, jetz müßt ich lieje, wie dr Lorenz gsaat hat 20 Schwein drzu.“ „Was bleibt dann noch m Lorenz wann r alles m Jergl gibt? Sei Pußta hat doch nor 65 Joch.“ Wegr’m Lorenz braucht r Euch ka Sorche mache! Ne, ne, Bäsl, weil dr Lorenz hat jo aa noch zehn Joch Botoscher die hat r erscht vor m Johr kaaft.“ „Na ja, vun dem hat jo dr Lorenz garniks gsaat.“ „Jo die zehn Joch uns Klenhäusl bhalt dr Lorenz for sich uns sei Suß, daß die jungi ken Vorbahlt braucht gin’s Suß hat gsaat, es is bessr die Jungi saufe an die Aldi als die Aldi an die Jungi.“ „In dem hat’s Suß recht. Suß is a gscheides Mensch.“ Plötzlich …… stürmt ein schönes Zweigespann in den Hof, worauf jedes Gespräch verstummte. „Dr Brautvatr ……“ ging es von Mund zu Mund und alle Augen richteten sich auf den Ankömmling.
Dem Wagen entstieg ein rüstiger Fünfziger, der den Gruß des herbeigeeilten Bräutigams herzlich erwiderte, dann beide Hände auf das Fuhrwerk hob und sprach: „Kind, des gib ich dir. Gib owacht uff die Roß, sie sin net schlecht.“ Es waren zwei feurige Stuten, neues Pferdegeschirr und ein schöner Steuerwagen, was der Brautvater seinem Schwiegersohn zum Hochzeitsgeschenk machte. Kurz darauf marschierten die Gäste unter den Klängen der Blechmusik durch das Dorf, um die Braut abzuholen, die irgendwo im zweiten Dorfviertel bei einer Tante festlich gekleidet und mit dem Brautkranz geschmückt wurde. An der Spitze des nach alter geordneten Zuges schritt von zwei Brautmädchen geführt der Bräutigam. Nach Freigabe der Braut begab sich der Zug ins Matrikelamt und zur kirchlichen Trauung. Voraus ging in den Armen zweier Brautführer die Braut dahinter zwischen Brautmädchen der Bräutigam, es folgten die Jugendpaare, dann die unermüdliche Musik, ihr folgten die zwei Beistände mit je einer Weinflasche, anschließend eine starke Männer- und Frauengruppe und zuletzt die Eltern des jungen Paares. Vor der Kirche sammelten sich die Schaulustigen, neugierigen Weiber, Mädchen, Burschen und Kinder. Sie standen Spalier, als der Hochzeitszug sich der Kirche näherte. Während der Trauung verschlossen ungeladene Kinder die Kirchentür. Nun war der Türschlüssel verloren, welcher jedoch nach Abgabe eines kleinen Finderlohnes bald wieder gefunden wurde, d.h. die Gäste warfen den Jungen Hochzeitsgeld.
Dann schritt Braut und Bräutigam Arm in Arm und ihnen folgend der ganze Zug ins große Wirtshaus, wo sämtliche Gäste einzeln das junge Paar beglückwünschten. Anschließend folgte der Brauttanz woran sich jeder Gast beteiligte. Dies geschah so: ein Brautführer setzte sich mit einer Weinflasche, zwei Tellern und einem Wäschekorb in die Mitte des Tanzsaales, um die Geschenke, Geld und andere Spenden entgegenzunehmen. Der Tänzer überreicht sein Geschenk tanzte mit der Braut einen Kreis und trank auf das Wohl des jungen Paares ein Gläsl Wein. Wer kein Tänzer war, fasste einfach die Braut an der Hand und führt sie im Kreis herum. Man gab auch das Geschenk im Hochzeitshaus ab. Nach dem Brauttanz gingen die Gäste nach Hause um sich umzuziehen und ihre Haustiere für die Nacht zu versorgen. Auf das Glockengeläute zum Abendgebet begann das Nachtessen. Die Musik spielte einen Tusch, worauf eine stramme Köchin den Speisezettel kundgab: „Rind- und Hühnersuppe mit Nudeln, gekochtes Rind- und Hühnerfleisch mit Rahmkren, Paradeissoos, Schweinebraten, Kalbsbraten, Ente, Brathuhn mit Dunstobst, Kraut- und Zellersalat, Kleingebäck und verschiedene Torten.“ Zum Nachtessen waren auch Ehrengäste geladen, – Pfarrer, Lehrer, Notar u.a., – die auf das junge Paar Reden hielten. Jugendliche sprachen ernste und scherzhafte Hochzeitssprüche.
Der Bräutigam half früher beim Auftragen und hatte mit besonderer Aufmerksamkeit die Braut zu bedienen, die auf dem Ehrenplatz zwischen zwei Brautbuben saß. Diese zwei Burschen sollten die Braut bewachen, damit sie nicht bestohlen werde, was aber scherzweise dennoch geschah. Ein pfiffiger Bursche zog ihr unbemerkt die Schuhe aus und gab sie der „Schusterin“. Nach einer Weile bat er die Braut zum Tanz, was diese jedoch dauernd ablehnte, weil sie keine Schuhe habe. „Leut, euer Braut hat jo ken Schuh!“, rief der Dieb. Es entstand unter den Gästen eine schauspielerische Aufregung, hervorgerufen wegen der Unachtsamkeit der Brauthüter. Auf den Lärm eilte die Schusterin herbei, die der Braut passende Schuhe zum Kaufe anbot. Die Braut hatte natürlich kein Geld, weshalb die Schuhe straf weise auf die Kosten der Brauthüter erworben wurden. Gleich darauf jammerte eine Köchin mit der Klage, sie habe sich beim Kochen die Hand verbrannt. Sie erschien mit der verbundenen Hand, bedauerte ihre Armut und bat um eine kleine Unterstützung, damit sie sich kurieren lassen könne. Ein flinker Bursche sprang ihr flugs zur Seite und half ihr beim Sammeln freiwilliger Spenden. Dieses Geld wie auch der Erlös für die Schuhe waren für das junge Paar bestimmt, was jedoch der freigebige Bräutigam ungezählt in die Tasche des Kapellmeisters steckte.
Nun folgte Musik, Tanz, Gesang und andere Belustigungen, die falsche Braut, Scherztänze usw. Um Mitternacht verabschiedete sich die Braut unter Tränen von den Mädchen und wurde durch Abnehmen des Kranzes und Aufbinden des Kopftuches in die Reihe der Weiber aufgenommen. Vorerst tanzten die Mädchen mit der Braut eine Runde. Die letzte Tänzerin setzte sie auf einen in der Mitte des Saales gestellten Stuhl, Weiber und Mädchen schlossen um sie einen Kreis und sangen folgendes Abschiedslied:
Kommet her, Ihr Jungfrauen insgemein,
Mit Euch darf ich nimmermehr lustig sein,
Kommet her, Ihr Weiber insgemein,
Mit Euch muss ich schon traurig sein,
Tretet ab, Ihr Jungfrauen insgemein, (Mädchen treten ab)
Mit Euch darf ich nimmer lustig sein.
Schwör Du´s schwör Du´s den Knaben ab,
Mit denen Du so manche Freud hast gehabt.
Ach Gott, ach Gott, das kann ich nicht,
Das gibt meinem Herzen viel tausend Stich
Schwör Du´s schwör Du´s deinen Eltern ab,
Deinen Mann musst Du lieben bis in das Grab.
Bindet ab, bindet ab den Jungfernkranz,
Er ist zerbrochen, wird nimmermehr ganz,
Bindet mir, bindet mir mein Tüchlein auf,
Spielt mit ein lustiges Stücklein auf.
Abschließend ließ man die Braut dreimal hochleben, worauf die Weiber mit ihr tanzten. Nach Mitternacht wurden kalte Speisen aufgetischt. Als wichtiger Punkt des Hochzeitsprogramms galt der Maskerademarsch der „Hochzeitsnarren“. Es waren verkleidete Hochzeitsgäste, die in den Morgenstunden mit der Musik jauchzend durch das Dorf zogen und übermütigerweise Narretei trieben.
Die Belustigung wurde im Wirtshaus fortgesetzt und dauerte in Winterzeiten bis zur Morgenröte des zweiten oder dritten Tages. Bei einer Lazarfelder Bauernhochzeit wurden ein Rind, ein Schwein, ein Kalb und viel Geflügel geschlachtet, dann 200-300 L. Wein, 50 L. Schnaps und Bier, je nach Zahl der geladenen Gäste, getrunken.
Einladung der Hochzeitsgäste:
Es ist doch so herrlich und schön
Wenn man darf einladen gehen,
zu dem schönen Hochzeitsfeste,
einzuladen alle Gäste.
Da wir wurden heut betraut
Von Herrn Bräutigam und Braut
Euch höflichst einzuladen,
mit den schönsten Bitten die wir haben.
So bitten wir schön am Festtag zu kommen
auch der heiligen Zeremonie beizuwohnen,
dazu auch euren Segen
dem lieben Brautpaar zu geben.
Auch trinken ein Glas guten Wein,
und lustig wollen wir alle sein.
Zum Schlusse rufe ich noch aus,
kommt bestimmt zum Hochzeitsschmaus.
Jetzt lebt wohl, wir müssen gehen,
nach anderen Gästen uns umzusehen.
Ein Hochzeitsgedicht „Hochgeehrte Braut“
O sei uns willkommen, du liebliche Braut
Vernehme der Stimme herrlichsten Laut.
Wir begrüßen dich alle herzinniglich,
lass führen in die Kirche dich.
Bald kniest du vor dem Traualtar
Glück umschwebe dich stets immerdar,
und wirst verbunden zu Freud und zu Leid
Nun bist du zum Ehestand geweiht.
Verschwunden sind die Mädchenhaare,
der Brautkranz zieret deine Haare.
Du bist nun heut als Braut geschmückt
Wie schlägt dein Herz so hochbeglückt.
Und scheidest du aus unserer Mitte
Gott segne all deine Schritte.
So rufen wir dir alle zu
bist du einst gehst zur ewigen Ruh!