Ratschersprüche

Mittagsspruch der Ratscher:

 

„Leut, Leut, laßt euch sagen: das Glöcklein hat zwölf Uhr geschlagen. Fällt nieder auf euere Knie und betet das Ave Maria.“

 

 

Nachmittag sind sie unter Anleitung des Mesner „Jud gelaufen“. Dieser wurde der, welcher als Letzterer an das Ziel kam. Er war der gehaßte Judas, kurz Jud, der zur Strafe, weil‘ er unseren Heiland um dreißig Silberlinge verraten hatte, keine Ruhe mehr finden sollte. Man hat ihn deshalb beschimpft und verspottet. Die Ratscher befestigten ihm unter lauter Gejohle gemischfarbige Bänder an den Hut, umsprangen ihn, riefen und ratschten im Takt dazu:

 

„Jud, Jud, Jud, Jud, Jud, Jud“

 

 

Der nächste Spruch rief die Gläubigen zur Kirche.

 

„Wir ratschen zum ersten und zum letzten Mal in die Lamentation.“

 

Spruch zum Abendgebet:

 

„Leut Leut, es ist Betungszeit! Ihr liebe Christen. seid alle bereit! Fällt hin auf die Knie, und betet das Ave Marie“.

 

Morgens:

 

Leut, Leut, wir ratschten den englischen Gruß, damit jeder Christ weiß, das er beten muß“.

 

Am Karfreitag zum Gottesdienst:

 

„Wir ratschen zum erstenmal“. – eine Halbestunde später: „Zum zweiten und letztenmal.“

 

 

 

In den Morgenstunden des Karsamstags trafen die Buben sich bei der Feuerweihe, wo sie den Judas verbrannten. Man jagte ihn über das Feuer und warf die Bänder hinein. Nachdem im Laufe des anschließenden Gottesdienstes die Glocken zurück- geflogen kamen, „sie ware beichte“, gingen sie mit großen Handkörben sammeln. Bei diesem Rundgang sprachen sie folgenden Spruch:

 

Leut, Leut, wir kommen um die österliche Zeit. Gibt uns Eier, gibt uns Geld, alles, was uns nur gefällt, nur khe Schleeh, die tut weh! Glück ins Haus, Unglück raus. Und paar Dinar für den grünen Jud!