Das Einheimsen der Maisernte war eine der schwersten Bauernarbeiten. Es war eine Tagesleistung von 16 – 18 Arbeitsstunden. Da brauchte man gesunde Arme und fleißige Hände. Der Bauer bearbeitete sein Feld teils mit eigener Arbeitskraft, er und seine Kinder, teils durch Mithilfe der Feldlosen. Unsere Kaufleute und Handwerker wieder besaßen auch weniger oder mehrere Joche Baufeld, das sie selbst bearbeiteten. Abgesehen von unserem kleinen Beamtenstand war unsere Volksgruppe ein ausgesprochenes Bauernvolk. Aber auch unsere gewesenen Beamten dürfen ihren bäuerlichen Abstamm nicht verleugnen, da sie größtenteils Bauernsöhne oder Bauerntöchter waren und zur Zeit ihrer Studentenjahre in den Ferien auf dem Bauernhof mit- gearbeitet haben. –

 

Bei günstigem Sommerwetter war der Mais Ende August, spätestens bis Mariä Geburt reif. Mit dem Brechen konnte begonnen werden. Diese Arbeit mußte schnell vonstatten gehen, damit das Maisfeld vor Beginn der regnerischen Herbsttage mit Halmfrüchten – Weizen, Gerste, Roggen – bebaut werden könne. In der Regel wurde ungefähr die Hälfte eines Besitzes mit Halmfrüchten, die andere Hälfte mit Hack- und Futterpflanzen bebaut. Die mit Halmfrüchten besäten Flächen nannte man Winterflur, die mit Hackpflanzen bebauten, Sommerflur, welche von Jahr zu Jahr gewechselt wurden. Wo in einem Jahr Mais grünte, dort wurde im nächsten Jahr Weizen geerntet und umgekehrt. Man nannte diese Einteilung Wechselsystem. Sehr nachteilig war in unserer Wirtschaft der übliche Streubesitz, da unsere Felder in kleinere Parzellen geteilt, zu je zwei bis vier Joche, in verschiedenen Gemarkungen und allzu weit von unserem Wohnsitz entfernt lagen. Diese Nachteile machten sich hauptsächlich beim Ein- und Beiführen der Ernte bemerkbar, da wegen des weiten Weges sehr viel Zeit verloren ging. Bauern mit 50, 100, 150 und noch mehr Jochen hatten ihre Felder beisammen an einem Stück, (geschlossener Besitz, Gehöft, Tanja oder Pußta genannt) auf welchem sich auch ein Wohnhaus für die Arbeiter, die nötigen Wirtschaftsgebäude, Stallungen für das Zug- und Hornvieh, Schweine und Geflügel, befanden. Solche Felder konnten naturgemäß mit verhältnismäßig geringerem Zeitaufwand bewirtschaftet werden, als die eines Streubesitzes. Schon nach drei Uhr morgens rollten die Wagen jener Bauern, deren Felder weit vom Dorfe entfernt waren (etwa 6 km) durch die Dorfstraßen, um den goldenen Gottessegen je eher ins Trockene zu bringen. Das Maislaub des Tags vorher gebrochenen Maises schnitt man mit der Sichel hauptsächlich vor Sonnenaufgang, so lange es noch taunaß war und stellte es gebündelt in kleinen Haufen auf. Jeder Brecherin nahm sich zwei Maisreihen vor und brach die Maiskolben mit den Lieschen, die Männer in umgehängte Säcke, die Frauen in Schürzen. Den Inhalt leerten sie in bereitgestellte Körbe und diese schüttete ein Träger auf den Wagen. War der Wagen voll beladen, so wurde er heimgefahren und auf der Tenne am Maishaufen entleert.

 

Die alten Hausleute, manchmal auch ältere fremde Arbeiter, saßen bei uns den ganzen Tag am Maishaufen und lieschten fleißig (die Maiskolben entblößen). In letzterer Zeit wurde der Mais größtenteils ohne Bast gebrochen, am Stock geliescht. Man sammelte die Kolben auf Haufen und schaffte sie, teils in Säcke gefüllt auf den Wagen. Die letzte Fuhr brachte auch die Brecher heim, wo sie dann das wohlverdiente Nachtessen einnahmen. Es war der Hausfrau größter Stolz, wenn ihre Arbeiter gut aßen. Wer nicht fleißig zugriff, den nötigte sie mit den Worten: „Du muscht bessr esse! Wer gut arweit, muß aa gut esse, un wer net gut eßt, der kann aa net gut arweite.“ Nach kurzer Pause machte sich jung und alt an den Haufen darunter auch Burschen und Mädchen aus der Nachbarschaft. Jetzt ging das Lieschen um die Wette; wer das Glück hatte, einen roten Kolben zu finden, da solche nur selten vorkamen. War der glückliche Finder ein Bursche, dann durfte er sich von den Mädchen ein feuriges Busserl stehlen. Ein solches durften sich auch die Mädchen von den Burschen nehmen. Da raschelte der Bast, es flogen die Kolben mit einer Hast, als gruben die Jungen nach einem teuren Schatz. Es wurde geplauscht, gescherzt und gelacht, als wären sie zu einem gemütlichen Abend zusammengekommen, denn das Kukuruzlieschen wurde nicht als besondere Arbeit gewertet. Wenn der Schwob sitzt und bloß seine Hände sich bewegen, dann ist das bei ihm keine Arbeit. Es ist für ihn nur ein Zeitvertreib. Kam noch am Abend ein guter Harmonikaspieler dazu, da wurde auch gesungen und getanzt, aber so, wie nur Schwaben tanzen, wenn sie lustig sind. Sie tanzten, daß es staubte. War der Kukuruz gut reif, dann wurden die gelieschten Kolben noch am selben Abend in den Hambar, auch Kotarka genannt, getragen. Hambar ist ein luftiges Bauwerk aus Balken und Latten, in welches man die ungerebelten Kukuruzkolben über Winter einlagert. So ähnlich ging es Tag für Tag, und wenn man die Laubbüschel auch aufgeschobert hatte, war diese schwere, aber wohlstandbringende Arbeit beendet.